Ellen Wilmes: Zen und Phänomenologie des Lebens

Wie ist es möglich ein Augenblick Leben zu leben, zu sehen, zu bemerken, es sichtbar zu machen? Wie ist ein Augenblick zu beschreiben? Wie ist „Leben“ und „leben“ zu beschreiben?

Die Begrifflichkeit – Augenblick – wurde von mir gewählt, weil dieses Wort die Bedeutung im Zen schlechthin ist, sowie – Leben/leben – das Wort schlechthin der radikalen Lebensphänomenologie ist. Im Zen ist der Augenblick die Wahrheit, die alles umfasst und in ihrer Wahrheit alles offen lässt – so frei wie der Wind ist.

„Der Buddha sagt: »Alle Dharmas sind letztlich frei und bleiben nirgendwo. «“ 1

In der radikalen Lebensphänomenologie ist die Wahrheit das Leben, das Leben, das sich selbst lebt, sich selbstaffizierend ins Leben setzt, sich selbst offenbart – frei und unabhängig.

„Und was wäre mehr die Wurzel von allem, was ‘ist’ und ‘erscheint’, als ‘das Leben’?“2

Und

„die Wahrheit in mir [ist] – meine eigene Gewißheit -, […], denn sie ist in der Tat keinerlei Denken, […], sondern […] die Wahrheit des Lebens, die Ur-Intelligibilität, von der wir sprechen. 3

Was tragen diese beiden Auffassungen dazu bei, zu begreifen, was der Augenblick Leben im Augenblick leben bedeutet? Weshalb sollte es eine Bedeutung haben, sich darüber im Klaren zu sein oder zu werden?

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Volltextversion: Ellen Willmes – Zen und Lebensphänomenologie

 

1 Dōgen Zenji 2013a, S. Bd.1, 199.

2 Henry 1992, S. 17.

3 Henry 2002b, S. 410.